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Lehrer fordert Flugverbotszone - für Bienen

Ein Imker bekam Post vom Anwalt, weil seine Honiglieferanten ein Auto veschmutzt haben

Streit über Flugrouten gibt es nicht nur am künftigen Großflughafen Schönefeld, sondern auch im kleinen Örtchen Sedlitz bei Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz). Dort wohnt Wilfried Kalinka, der als ruhiger Zeitgenosse gilt. Er bezeichnet sich als Hausmann, aber vor allem ist der 58-Jährige ein überzeugter Hobby-Imker. Und als solcher sieht er sich nun juristischen Attacken ausgesetzt. Denn der einstige Computertechniker hält auf seinem Grundstück 50 Bienenvölker. „Ich hatte bislang nie Ärger, weil meine Bienen jemanden gestochen haben”, sagt er. „Dann bekam ich Post vom Anwalt wegen einer anderen Sache. Das ist unglaublich: Es geht darum, dass der Kot meiner Bienen ein Auto verunreinigt hat.”

Notfalls verklagen
Der Anwalt vertritt einen Lehrer, der sein Auto wochentags immer auf dem Parkplatz jenes Oberstufenzentrums abstellt, das an das Grundstück des Imkers grenzt und sich somit unter der Flugroute der Bienen befindet. „Nachdem der glänzende Autolack des Lehrers mit Bienenkot besprenkelt war, bekam ich eine Unterlassungsaufforderung”, sagt Kalinka. Die Verschmutzung des Autos sei eine „Eigentumsbeeinträchtigung”, deshalb verlangt der Lehrer, dass das Gebiet zur Flugverbotszone wird, damit sein Auto sauber bleibt. Notfalls will der Pädagoge den Imker verklagen. „Den Termin, der mir gestellt wurde, habe ich verstreichen lassen”, sagt Kalinka. Er will nicht nachgeben. Denn der Lehrer behauptet auch noch, er benötige einen Hochdruckreiniger, um den Bienendreck zu entfernen. „Das ist absurd”, sagt Ka­linka. „Die Windschutzscheibe eines Autos ist ständig voller toter Insekten und die lassen sich sehr viel schlechter entfernen als der Kot von Bienen.” Der Imkerverband, der 1 850 Imker vertritt, steht hinter Kalinka und will ihn im Klagefall beraten. „Seit 1990 haben wir viel zu wenige Imker im Land”, sagt Sprecher Holger Ackermann. „Landesweit gibt es nur noch 20 000 Bienenvölker. Das ist ein Volk pro Quadratkilometer, wir bräuchten aber vier Völker.”

Wegen der Billigimporte aus aller Welt kann kaum ein heimischer Imker vom Honigverkauf leben. Weil die Imkerschaft auch noch reichlich überaltert ist, gibt das Land viel Geld aus, um Nachwuchs zu gewinnen. Denn die Insekten sind überlebenswichtig für die Landwirtschaft: Die Honigbiene des Menschen bestäubt 80 Prozent aller Blüten. „Diese Aufgabe kann einfach kein anderes Insekt übernehmen”, sagt Sprecher Ackermann. Deshalb gilt die Biene nach Rind und Schwein als drittwichtigstes Nutztier des Menschen. „Ein Lehrer müsste doch wissen, wie wichtig die Biene ist”, sagt er. "Wenn jemand wegen ein bißchen Kot auf dem heiligen Autoblech zum Anwalt rennt, hat er wohl keine anderen Probleme." Natürlich wissen die Imker, dass Bienenkot durchaus ein Problem sein kann. „Aber nur an ein bis zwei Tagen im Jahr”, sagt Kalinka. Immer wenn die Bienen im Frühjahr nach der Überwinterung zum sogenannten Reinigungsflug ausschwärmen. Zuvor müssen sie monatelang im Bienenstock ausharren. Dort geben sie keine Exkremente ab, weil es sonst zu Seuchen kommen könnte. „Die Bienen halten den Kot so lange an, wie es geht”, erklärt Kalinka. Manche sind am Ende sogar zu schwer zum Fliegen und sterben. Deshalb ist der Reinigungsflug eine Befreiung für die Tiere. Die Imker sagen ihren Nachbarn immer Bescheid, damit diese an dem Tag keine Wäsche raushängen. Als Entschädigung bekommen die Nachbarn ein Glas Honig. „Diesmal war der Flug leider nicht am Sonntag, wenn keine Schule ist”, sagt Kalinka, „sondern an einem Montag.” Und die Bienen befreiten sich von der Last des Winters einige Meter zu früh über dem Auto des Lehrers.

Kein Ausweichplatz
„Jeder kennt den Schmutz, wenn ein Auto unter Linden steht”, sagt der Imker. Unter den Bäumen sei der Wagen aber komplett mit Dreck überzogen, bei Bienen sei dies nur punktuell so. „Niemand würde die Linde oder den Frühling verklagen”, sagt Kalinka. „Aber beim Imker kann man es ja mal versuchen.” Er kann sich weder einen Prozess leisten noch hat er einen Ausweichplatz für die Bienen. Aber die sind sowieso meist nicht auf dem Grundstück aktiv: Entweder überwintern sie gerade oder stehen in der Natur an den Feldern. „Ich hoffe, der Lehrer lenkt ein”, sagt Kalinka. Der Imker würde das Problem gern mit ihm bei einer Tasse Tee besprechen. Damit der sein Auto vielleicht am entscheidenden Tag einfach an einer anderen Stelle abstellt oder auch mit einer Plane bedeckt. „Aber ich würde nie anbieten, sein Auto zu putzen”, sagt Wilfried Kalinka. „Ich bin ein stolzer Imker. Meine Arbeit ist etwas wert. Ich muss nicht betteln, um etwas Gutes für die Natur und die Allgemeinheit zu tun.”

Jens Blankenagel in "Berliner Zeitung" vom 24.05.2011


Bienensterben in Brandenburg - Imker machen Pestizid-Einsatz verantwortlich und greifen den Bauernverband an

Von Ulrich Nettelstroth

Zwischen den Blüten summt es in diesem Jahr weniger. Viele Bienen haben den Winter nicht überlebt. Die Bauern wollen sich dafür nicht die Schuld geben lassen.

POTSDAM
So einen schlimmen Winter hatte Jürgen Klünder, der Chef des Imkerverbands Brück (Potsdam-Mittelmark), in den vergangenen 15 Jahren noch nie. Fast die Hälfte seiner 80 Bienenvölker sind gestorben. „Anderen Imkern ist es noch schlechter ergangen“, erzählt er. Die Schuldfrage ist für ihn klar. Die Bauern verspritzen immer mehr Pflanzengift, das die Insekten töte. Nur die Abkehr von den Pestiziden könne die Bienen retten, so Klünder.

Das will der Landesbauernverband nicht auf sich sitzen lassen. Bei guter Absprache zwischen Bauern und Imkern müsse es keine Schäden geben, sagt Sprecher Holger Brantsch. Dann lasse der Imker die Bienen immer dann tageweise im Stock, wenn auf den Feldern gespritzt werde. Ein Verzicht auf die Pflanzenschutzmittel sei dagegen unrealistisch. „Der Nutzen, den die Pestizide für den Bauern haben, ist größer als der Nutzen der Bienen“, so Brantsch.

Diese Äußerung wiederum bringt Lothar Lucke auf die Palme, den Vizechef des Landesimkerverbands. „Der Nutzen der Biene ist erheblich“, betont er. Studien zufolge ist die Honigbiene für rund zehn Prozent der Bestäubungsleistung in der Landwirtschaft verantwortlich. Allein in Deutschland entspricht das einem Wert von 2,5 Milliarden Euro.

Die Lage der Imker sei nach massiven Winterverlusten brisant, berichtet Lucke. Er will aber keine Frontstellung gegenüber den Bauern, sondern durch Gespräche für weniger Gifteinsatz und mehr Wildwuchs in der Landschaft werben. Wenn Feldraine sofort gemäht würden, fehle den Tieren die Nahrung. Auch private Hausbesitzer und Straßenbauämter sollten ungenutzte Flächen lieber blühen lassen.

Giftstoffe würden von den Bienen nicht nur mit dem Blütensaft aufgenommen, erklärt Lucke, sondern auch mit dem Tau auf den Blättern. So würden den Tieren Pflanzen wie der Mais gefährlich, die als Bienennahrung eigentlich keine große Rolle spielten. 2008 kam es in Baden-Württemberg zu einem massenhaften Bienensterben durch das in Maispflanzungen benutzte Insektengift Clothianidin. Der Stoff gehört zu den sogenannten systemischen Pestiziden, die von den Pflanzen in ihr Inneres aufgenommen werden. Die Naturschutzorganisation Umweltbund macht diese Stoffe für das derzeitige Bienensterben verantwortlich und kritisiert, dass es zu keinem kompletten Verbot des Gifts gekommen ist.

Zurückhaltend äußert sich Kaspar Bienefeld, der Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf (Oberhavel). Die Winterverluste seien mit im Schnitt 15 Prozent schon ungewöhnlich hoch. Normal wären fünf bis zehn Prozent, so der Wissenschaftler. Verantwortlich sei aber nicht der Pestizideinsatz, sondern vor allem der Parasit Varroa-Milbe in Kombination mit Viruserkrankungen. Es seien nicht mehr Pesitzide versprüht worden.

Der langfristige Abwärtstrend bei den Bienenvölkern erkläre sich ohnehin daraus, dass immer weniger Imker aktiv seien. Gab es vor zehn Jahren bundesweit noch eine Million Bienenvölker, sind es jetzt noch knapp 700 000, in Brandenburg knapp 40 000. Immerhin, im Osten gibt es eine kleine Gegenbewegung. In den neuen Ländern gebe es wieder mehr Interesse an dem Hobby, freut sich Bienefeld. Vielleicht summt es künftig doch noch weiter.

Quelle: Märkische Allgemeine, MAZ Hauptteil, 28.04.2010


Population in Gefahr

Gentechnik, Monokultur und Milben schaden der Biene, Pestizide verunreinigen ihren Honig.
Ein Berliner Imkerverein wirbt erfolgreich um neue Mitglieder

Alarm im Bienenschwarm: Ein paar Dutzend Flügelpaare versetzen die Luft in Schwingungen. In ihrer Mitte steht Benedict Polaczek und greift nach dem Herzstück des Bienenstocks: dem Rahmen mit den Honigwaben. Der Bienenforscher ist Herr über 25 Völker an der Freien Universität Berlin (FU), in seiner Freizeit engagiert er sich bei den Zehlendorfer Imkern.
In Deutschland haben viele Bienenfreunde in den vergangenen Jahren aufgegeben. Gab es 1990 noch 110 000 Imker, sind es heute rund 80 000. Sich verändernde Umweltbedingungen haben zu der Frustration vieler Imker beigetragen. Dazu gehört der Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO).
Honig ist ein Naturprodukt, von Bienen gesammelt, von Menschen geerntet. Ohne Zusätze soll er in den Handel. So schreibt es die Honigverordnung vor. Der bayerische Imker Karl-Heinz Bablok hat demnach Sondermüll produziert: Das Verwaltungsgericht Augsburg deklarierte vergangenen Sommer seinen Honig als „nicht verkehrsfähig”. In der Nähe seiner Bienenstöcke hatte der Freistaat ein Versuchsfeld mit manipulierten Pflanzen angelegt, der Honig war mit Pollen von gentechnisch verändertem Mais verunreinigt. Diese sind nicht für den menschlichen Verzehr zugelassen. Also landete die Honigernte im Müll statt auf dem Brötchen.

Gefahr durch Pestizide
Imkermeister Thomas Radetzki ist Vorstand im ImkerverbandMellifera, der sich für ökologische Bienenhaltung einsetzt. Wo Bienen ihre Nahrung sammeln, könnten Imker nicht kontrollieren, sagt er, „Bienen fliegen heim Sammeln kilometerweit in eine Richtung; ein Volk sammelt Nahrung auf einer Fläche von der Größe der Stadt Köln”. Dabei besteht nicht nur die Gefahr, dass der Honig verunreinigt wird. Bienen können auch in ihrem Haarkleid Blütenstaub gentechnisch veränderter auf ursprüngliche Pflanzen übertragen. Die Folge: Landwirte befürchten die Kontamination ihrer Ernte.
Ob Felder mit genveränderten Pflanzen die Bienen ernsthaft bedrohen, darüber sind sich die Experten uneinig. So schreibt Elke Genersch, stellvertretende Direktorin am Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf, zu dem Thema: „Den Bienen schaden genveränderte Maisblüten weniger als solche, die mit Pestiziden behandelt wurden.”
Bienenforscher Jürgen Tautz von der Universität Würzburg hält landwirtschaftliche Monokulturen für ein weiteres Problem, das den Tieren zu schaffen macht. „Wenn Bienen nur noch Pollen von Raps und Sonnenblumen finden, ist das in etwa so schädlich, als wenn ein Mensch nur noch Bratwurst isst." Sehr wichtig sei eine Vielfalt an Pollen, aus denen die Bienen das Gelee royale herstellen, mit dem sie ihren Nachwuchs aufziehen. Die Ausbeutung ist umso gehaltvoller, je vielfältiger die Pollennahrung der Arbeiterinnen ist. Benedict Polaczek von der FU sieht die größte Gefahr für seine Schützlinge im Schädlingsbefall, insbesondere durch die Milbe Varroa destructor, welche sich von Bienenblut ernährt. Zusätzlich belastet sie die Mobilität der Biene, auf der sie sich festsaugt. »Das ist so, als ob ein Mensch ständig eine Katze mit sich herumschleppen müsste", erläutert Experte Polaczek. Unabhängig davon, ob Gentechnik, Monokulturen in der Landwirtschaft oder Krankheiten der Grund für die rückläufige Bienenhaltung sind, das Ergebnis ist bedenklich - zu dem Schluss kommt Bienenforscher Professor Burkhard Schricker von der FU Berlin: Die Zahl der Bienenvölker sei in Deutschland seit 1993 um etwa 45 Prozent zurückgegangen. Dies kann dazu führen, dass eine flächendeckende Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen nicht mehr gewährleistet ist.
Ein einziges Volk kann pro Tag drei Millionen Obstblüten bestäuben. Ohne diese Leistung der Bienen geht die Ertragsleistung bei Raps beispielsweise um circa 30 Prozent zurück. Bei einem Versuch trugen Bäume einer Apfelbaum-Allee in unmittelbarer Nähe eines Bienenstandes 1 200 Früchte, in 900 Metern Entfernung nur noch 20 Früchte. Wenn das Bienensterben weiterginge, könnte es bei uns bald amerikanische Verhältnisse geben, befürchtet Professor Schricker: In den USA fordern Obstbauern mobile Bienenkommandos zum Bestäuben an. Imker fahren ihre Stöcke per Lastwagen von
der Zitronenblüte in Florida zur Mandelsaison in Kalifornien.
Entgegen des deutseitlandweit negativen Trends wird in Berlin das Imkern immer beliebter. Das hat zumindest Bienenfreund Polaczek beobachtet. Etwa 500 Imker leben in der Hauptstadt. Auf Berliner Balkonen, Dachterrassen und Hoteldächern stehen Bienenstöcke. Mit einem innovativen Angebot hat allein der Imkerverein Zehlendorf in den vergangenen zwei Jahren 20 neue Mitglieder gewonnen. „Ein Jungimker braucht seinen Bienenvater”, erläutert Polaczek die Idee hinter dem »linkem auf Probe": Der Verein verleiht Völker für ein Jahr an Jungimker und stellt ihnen einen erfahrenen Imker an die Seite.

Bienenstöcke in der Stadt
Eine Motivation der Imker ist die Aussicht auf selbstgeernteten Honig: Jedes Volk besteht aus rund 70 000 Tieren, die jährlich etwa 25 Kilogramm Honig erzeugen. Sammlerinnen steuern an einem Tag bis zu 3 000 Blüten an und saugen bei jedem Flug bis zur Hälfte ihres Gewichtes an Nektar auf. Wieder im Bienenstock angekommen, würgt die Biene den Nektar aus. Andere Artgenossen schlucken ihn wiederum, wobei er mit ihrem Speichel veredelt wird. Die Nektar-Tropfen werden etwa 80 Mal von einer Biene zur anderen weitergereicht, bis sie zu Honig geworden sind. Um ein Pfund Honig zu erhalten, müssen die Bienen die dreifache Menge an Nektar sammeln. Von dem mit Fleiß zusammengetragenen Produkt isst jeder Deutsche jährlich etwa 1,4 Kilogramm.
Eine Königin wird in ihrem Leben nur einmal befruchtet, dies aber von bis zu 25 Drohnen. Der von den Königinnen aufgenommene Vorrat an Spermien muss reichen, um Tausende von Eiern zu begatten. Damit sichergestellt ist, dass das Erbgut dieser Männchen den Zuchtzielen entspricht, werden die Königinnen auf Begattungsareale verschickt. Dies sind geografisch isolierte Gebiete wie Inseln, auf denen garantiert nur männliche Bienen mit den besten Erbanlagen fliegen. Für die Drohnen, die manche Imker „fliegendes Sperma” nennen, endet der Sex übrigens tödlich: Sie verlieren dabei ihren Penis.
Probleme mit den Nachbarn hätten Berliner Imker so gut wie nie, denn die Berliner Bienen seien besonders sanftmütig gezüchtet worden, sagt Benedict Polaczek. Apis mellifera carnica, die Krainer-Biene, so heißt die Lieblingsbiene von Forscher und Imker Bendict Polaczek: „Das Tier ist so friedlich, es sticht nur, wenn ich es in der Hand fast zerdrücke”, sagt er. Nur wollene Kleidung solle man bei der Arbeit nie anziehen, das könne die Biene an ihr Feindbild, den Bären, erinnern.

Annette Leyssner in "Berliner Zeitung" vom 19.08.2009


Giftiger Mantel für Saatkörner

NATUR: Die Zahl der Bienen - das viertwichtigste Nutztier des Menschen - sinkt drastisch. Im Juni tötete ein Pestizid viele Völker. Trotzdem wurde es wieder zugelassen. Naturschützer machen jetzt mobil.

Schuld an dem Massensterben von HonigBienen im Frühjahr in Baden-Württemberg und Bayern war das Insektizid Clothianidin. Entwickelt wurde es in den 1990er Jahren von Wissenschaftlern der deutschen Bayer AG und der japanischen Firma Takeda Chemical Industries. 2004 ließ das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den Wirkstoff für die Landwirtschaft zu. Seither wurde das Insektizid im Ackerbau eingesetzt, um Pflanzen wie Mais, Raps, Rüben und Getreide vor Schädlingsbefall zu schützen. Clothianidin ist ein Nervengift, das über die Haut oder den Verdauungstrakt in den Körper der Insekten gelangt und sie binnen 24 Stunden tötet.

Der toxische Wirkstoff ist in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln enthalten, die meist zur Behandlung von Saatgut verwendet werden. Dabei wird die Saat mit einem Beizmittel präpariert, das die einzelnen Saatkörner wie ein schützender Mantel umgibt. Später nehmen die heranwachsenden Pflanzen den Wirkstoff auf und transportieren ihn in die Stängel und Blätter.

12 000 Bienenvölker geschädigt

Süddeutsche Landwirte haben bei der Aussaat von Mais im Frühjahr ein neues, clothianidinhaltiges Insektizid eingesetzt, um die Pflanzen vor dem westlichen Maiswurzelbohrer zu schützen. Dieser Käfer gilt weltweit als gefährlichster Mais-Schädling und war voriges Jahr erstmals in Süddeutschland aufgetaucht. Bei der Verteilung des gebeizten Saatguts wurde auf den Äckern Clothianidin freigesetzt und vom Wind auf den blühenden Pflanzen der Umgebung verteilt. Dort haben die Bienen den giftigen Wirkstoff aufgenommen.

Dem Deutschen Imkerbund zufolge haben rund 800 Imker Schäden an 12 000 Bienenvölkern gemeldet. Infolge des Massensterbens hatte das BVL die Zulassung für acht Mittel zurückgezogen, die Clothianidin enthalten. In einigen Fällen hat das Amt inzwischen die Zulassungen wieder erteilt. Bei der Aussaat von Raps dürfen Beizmittel, die Clothianidin enthalten, nun wieder verwendet werden. Das BVL hat die Zulassung mit einer Auflage verbunden: Das Pflanzenschutzmittel muss mit einem zusätzlichen Haftmittel ans Rapskorn gebunden werden. Ein Abrieb des toxischen Stoffs soll so vermieden werden. (obu.)
Aus
"Berliner Zeitung" vom 17.07.2008


Chemie- Keule gegen Bienen

Die Imker sind alarmiert: Nach dem Winter,  den ein Drittel der Bienenvölker in MV nicht  überlebte,
fallen nun zigtausende Bienen dem rabiaten Umgang mit Pflanzenschutzmitteln  zum Opfer.  

Besonders gefährdet sind Bienen, die auf den leuchtend gelben Rapsfeldern Nektar sammeln. „Bei schönstem Sonnenschein werden Pflanzenschutzmittel gespritzt”, kritisiert der Vorsitzende des Landesimkerverbandes, Wolf-Dieter Feldkamp. Immer mehr Landwirte würden diese Arbeit Lohnunternehmen überlassen. Früher hätten die Bauern die Felder vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang gespritzt, wenn keine Bienen fliegen. Die Lohnunternehmen aber würden den ganzen Tag über arbeiten. Bienen können Rapsertrag um 20 Prozent steigern

Manche Landwirte unterschätzen Feldkamp zufolge die Bestäubungsleistung der Bienen. Auch wenn Raps vom Wind bestäubt werde – Bienen könnten die Erträge um 20 Prozent steigern, berichtet er unter Berufung auf wissenschaftliche Untersuchungen. „80 Prozent unserer Blütenpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen”, sagt der Imker. Der Säfte- Hersteller Fruchtquell Dodow im Landkreis Ludwigslust macht sich den sprichwörtlichen Bienenfleiß schon seit fast zwei Jahrzehnten zunutze." Wir haben eine eigene Imkerei mit 450 Völkern für die Plantagen", berichtet Geschäftsführer Frank Jehring. Auf 650 Hektar haben die Bienen hauptsächlich Apfelbäume zu bestäuben. Nach der Baumblüte gehen sie auch in den Raps. Der Honig sei ein schöner Nebeneffekt, so Jehring. Zudem haben zwei Imker feste Jobs, ein Lehrling wird ausgebildet.

Obstanbauer oder Kleingärtner, in deren Nähe es keine HonigBienen gibt, haben deren Fehlen schon an geringeren Erträgen bemerkt. In diesem Jahr herrschten dem Obstbauberater Rolf Hornig in Schwerin zufolge optimale Bedingungen für die Baumblüte und für den In­sektenflug. In der Blütezeit habe es keinen Frost und kaum Regen gegeben. Der Mangel an Bienen sei jedoch ein Problem. Alles Baumobst profitiere von Bie­nen. Kleingärtner könnten für WildBienen Nisthilfen schaffen, indem sie beispielsweise Holzstämme vielfach durchbohren.

Heimtückische Wirkung: Bienen finden Stock nicht mehr

Wildinsekten sind für den Verbandschefs aber „nur ein Tropfen auf den heißen Stein”. In einem durchschnittlichen Garten könne es vielleicht 500 WildBienen geben. Ein einziges Bienenvolk habe 20 000 Tiere, ein Imker im Durchschnitt mehr als zehn Völker. Feldkamp forderte von den Landwirten mehr Rücksicht. Wer morgens Pflanzenschutzmittel ausbringen wolle, sollte Bescheid geben, dann könne der Imker die Bienen etwas länger im Stock lassen. Die Wirkung auf die Bienen ist heimtückisch. Sie töten nicht etwa durch ein Gift, sondern ein Teil macht die Bienen orientierungslos, so dass sie nicht in ihren Stock zurückfinden. Bienen, die zurückfinden, werden von den Artgenossen nicht eingelassen, weil sie übel und artfremd riechen. Zudem gibt es laut Feldkamp auch Mittel, die die Flügel der Insekten verkleben. Während laut Feldkamp in MV hauptsächlich Rapsbehandlung die Bienen dezimiert, machen Imker entlang des Rheins mit Nervengift gebeiztes Maissaatgut für das Bienensterben verantwortlich. Weitere negative Auswirkungen befürchtet Feldkamp im Nordosten vom Genmais MON 810. Es sei nicht erforscht, wie das in der Pflanze enthaltene Gift gegen den Maiszünsler auf Insekten wirke.
Birgit Sander in "Schweriner Volkszeitung" vom 16.05.2008


Massensterben der Bienen im Rheintal- Ist ein neues Insektizid schuld?

BERLIN - Im badischen Rheintal stehen die Obstbäume zwar längst in voller Blütenpracht. Doch in den Kronen ist es erschreckend still: Es fehlt das Summen der Bienen. Hektik herrscht dagegen in der Geschäftsstelle des Landesverbands Badischer Imker in Appenweier. Dort rufen immer mehr der landesweit rund 7000 Imker an und klagen über ein massives Bienenster­ben entlang der Rheinlinie. Der plötzliche millionenfache Tod in den Bienenstöcken setzte unvermittelt mit der Mais- Aussaat ein. Viele der Samenkörner waren zur Insekten- Bekämpfung mit dem Nervengift Clothianidin der Firma BayerCropscience gebeizt.

Der Imker- Verband spricht vom schlimmsten Bienensterben in der Region „seit 30 Jahren”. Den Verdacht gegen das Nervengift aus dem Bayer- Konzern begründet der stellvertretende Verbandsvorsitzende Manfred Raff mit ähnlichen Erfahrungen italienischer Imker, bei denen die Mais- Aussaat schon vor einigen Wochen erfolgte. Dort fand sich in verendeten Bienen das Clothianidin. Es ist dem Verband zufolge Bestandteil des Agrargiftes Poncho Pro, welches für das Beizen des Mais-Saatgutes verwendet wird. Die Imker vermuten nun, dass die von den Saatmaschinen aufgewirbelten Stäube auf blühende Rapsfelder und Blumenwiesen wehten, wo das Gift von den Bienen aufgenommen wurde.  

Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund weist darauf hin, dass Clothianidin in Deutschland mittlerweile zugelassen wurde für Kartoffeln, Mais, Zucker- und Futterrüben, Getreide und Raps. Internationalen Studien zufolge baue sich das Gift aber kaum ab. Es könne sich deshalb im Boden jedes Jahr stärker ansammeln und wegen seiner guten Wasserlöslichkeit etwa in Bodensenken noch höher konzentriert sein. Wie gefährlich Clothianidin eingeschätzt wird, zeigt auch eine Warnung der französischen Veterinärämter: Darin rieten sie den Imkern, die Gebiete, in welchen das Gift eingesetzt wurde, für Jahre zu meiden. (AFP)
Aus: "Hamburger Abendblatt" vom9.Mai 2008


Glosse: Im Supermarkt

Im Supermarkt suche ich heute nach einem Honig, der nicht aus China oder aus Mexiko stammt, muss dann aber entdecken, dass selbst der Biohonig mit der Abbildung einer Almhütte auf dem Etikett in Mexiko geimkert wurde. Ein Honig mit Sombrero auf dem Glas verkauft sich wahrscheinlich nicht so gut, deshalb die Almhütte. Honig ist das einzige Insektenprodukt im Sortiment unserer Lebensmittelläden, geröstete Heuschrecken gehören in unsern Breiten ja nicht zum Angebot. Die fleißigen Bienen haben Blütennektar oder Honigtau (dabei handelt es sich um die Ausscheidungen pflanzensaugender Insekten) eingesammelt, in ihren Bienenstock geflogen und dort zu Honig verarbeitet. All den Honig in den Gläsern dieses Regals haben Bienen in ihrem Saugrüssel gehabt - daran aber scheint sich niemand zu stören. Im Gegenteil. Bienen gehören, obwohl sie stechen können, neben Marienkäfern und Schmetterlingen zu den sympathischsten Insekten. Sie lieben Blumen und mögen Süßes und wenn sie sich etwas sagen wollen, das haben sie Honigkäufern voraus, fangen sie an zu tanzen.  
David Wagner
in "Berliner Zeitung" vom 13.05.2008

Tödliche Gefahr
Viele Bienevölker sterben, weil der milde Winter ihre ärgsten Feinde prächtig gedeihen ließ

Alle Imker beobachten derzeit besonders aufmerksam die Bienenkästen in ihren Gärten. Denn es geht um Leben oder Tod. Es geht darum, ob die Bienenvölker in den Kästen den Winter überlebt haben oder nicht. Es geht darum, ob in diesem Jahr genügend Bienen vorhanden sein werden, um all die Pflanzen auf den Feldern der Bauern und all die anderen Blüten in der Natur zu bestäuben.

Diesmal sind die Aussichten düster. Der milde Winter war einerseits positiv, andererseits extrem negativ. Der große Vorteil: Da lang anhaltende Fruste ausblieben, bestand nicht die Gefahr, dass Bienen verhungern. Seit dem Herbst hängen Hunderte der kleinen Tiere gemeinsam in dicken Trauben zwischen den Waben in den Kästen und ernährten sich vom Zucker, den ihnen die Imker gegeben hatten. Nun, da die Lufttemperaturen über zehn Grad steigen, beginnen die Bienen wieder zu fliegen.

Doch in vielen Imkergärten passiert gar nichts. Denn der milde Winter hatte auch einen extremen Nachteil: Der seit Jahren ärgste Feind der heimischen Honigbiene - die Varroa- Milbe - wurde nicht wie sonst durch die Kälte dezimiert, sondern vermehrte sich prächtig. Der Parasit befällt die Bienenlarven, saugt sie aus und es schlüpfen nur verkrüppelte Jungtiere. Mancherorts droht Totalverlust. „Bei mir fliegen die Bienen reichlich”, sagt Gerhard Strauch, Vize-Chef des Brandenburger Imkerverbandes. „Offenbar habe ich keine Verluste. Doch das weiß ich erst genau, wenn es wärmer ist und ich die Bienenkästen öffnen kann.” Er kenne Imker, die einen Totalverlust ihrer Bienenvölker beklagen müssen. „Ein Imker hat 30 Völker verloren”, sagt er. „Das ist richtig viel.” Der Imkerverband befürchtet, dass in diesem Jahr die Ausfälle bei 30 bis 50 Prozent liegen werden. Damit ist allerdings nicht nur der Verlust im Land gemeint, sondern bundesweit. In Brandenburg gibt es derzeit etwa 20000 Völker, bundesweit sind es 900 000 Bienenvölker.

Über die Folgen der drohenden Verluste diskutieren seit gestern 100 Wissenschaftler aus Deutschland und dem Ausland in Liebenwalde (Oberhavel). Dort findet die dreitägige Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute statt. „Das tatsächliche Ausmaß der Verluste wird erst im späten Frühjahr klar sein”, sagt Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf. Die Fachleute vergleichen unter anderem den aktuellen Milbenbefall mit dem des Winters 2002/2003. Damals vernichtete der aus Asien stammende Schädling ein Drittel der Bienen. „Es geht auch darum, dass die Milben  zusätzlich bestimmte schädliche Viren auf die Bienen übertragen”, sagt Bienefeld. "Offenbar ist die Kombination aus Milben und Viren gefährlicher, als bisher vermutet würde."

Der aktuelle Verlust trifft die heimische Imkerschaft besonders hart. Denn der Osten ist schon jetzt ein ziemlich Bienenarmer Landstrich. In den westlichen Bundesländern gibt es dreimal mehr Bienenvölker pro Quadratkilometer als im Osten der Republik. Der Grund ist recht einfach: Mit Honig ist kaum noch Geld zu verdienen. Denn die Masse der Kunden kauft lieber Billighonig aus dem Ausland. Daher betreiben 98 Prozent der Brandenburger Imker die Bienenhaltung nur noch als Hobby und es werden immer weniger. So wurden im heutigen Brandenburg im Jahr 1989 noch 7 200 Imker mit knapp 140 000 Bienenvölkern gezählt. Derzeit sind es nur noch 1 500 organisierte Imker mit insgesamt 15 000 bis 20 000 Völkern.

„Das Durchschnittsalter der Imker liegt bei 63 Jahren”, sagt Bienefeld. Die Bienenhaltung sei in Brandenburg als Beruf so gut wie ausgestorben. Und auch die Hobbyhaltung sei bedroht, wenn nicht gegen die Schädlinge vorgegangen werde. „Es kann passieren, dass die aktuellen Verluste dazu führen, dass gerade ältere Imker aufhören und sich keine neuen Völker kaufen”, sagt Gerhard Strauch. „Dann wird das Nachwuchsproblem noch dramatischer.”

 Jens Blankenagel in "Berliner Zeitung" vom 12.03.2008


Sie fliegen weg und sterben
In den USA haben viele Bienenvölker den Winter nicht überlebt.

Die ersten Todesmeldungen kamen im vergangenen Oktober. Zunächst nur aus den östlichen Bundesstaaten der USA, dann aus allen Teilen des Landes. „Seit Anfang des Jahres haben unsere Imker noch nie da gewesene Verluste gemeldet”, sagt Maryann Frazier. Die Biologin von der Pennsylvania State University hat seit Kurzem einen neuen Job: Sie ist Sprecherin einer Arbeitsgruppe, die das Massensterben der amerikanischen Bienen erforscht. Bislang können die Wissenschaftler das Phänomen nur beschreiben, aber nicht erklären. Sie nennen es CCD, Colony Collapse Disorder, eine Art Bienenvolk-Kollaps. In einigen amerikanischen Bundesstaaten, vor allem an der Ostküste, aber auch in Texas, sind über den Winter mehr als siebzig Prozent der Bienenvölker kollabiert. Die Symptome sind überall gleich. Die erwachsenen Bienen verlassen ihre Bienenstöcke und verschwinden spurlos. Sie fliegen weg und sterben. Übrig bleiben junge Arbeiterinnen, die Königin und die Brut, die nicht mehr versorgt werden und allmählich verhungern. Ungewöhnlich ist auch, dass die betroffenen Bienenstöcke nicht sofort von anderen Insekten überfallen werden - von anderen Bienen, Wachsmotten oder Käfern. Normalerweise kommen die Plünderer schnell. Bei den Bienenstöcken, die von CCD erfasst werden, ist das anders. Bis die ersten räuberischen Trupps erscheinen, vergehen mindestens zwei Wochen.

Dass ein Bienenvolk im Winter eingeht, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. „Jeder Imker weiß, dass so etwas passieren kann”, sagt Jürgen Hans, Vorsitzender des Berliner Imkerverbands. In der kalten Jahreszeit leben Bienen von den Pollen- und Nektarvorräten, die sie zuvor gesammelt haben. Sie reagieren empfindlich, wenn die Nahrung eine schlechte Qualität hat, leiden auch unter Schwankungen der Temperatur und sind anfälliger für Krankheiten als im Sommer. „Deshalb muss man auch immer damit rechnen, dass ungefähr zehn Prozent der Bienen den Winter nicht überleben”, sagt Hans. Die aktuellen Sterberaten unter den amerikanischen Bienen sind aber deutlich höher. Während Wissenschaftler noch die Ursachen des Massensterbens erkunden, kalkulieren Imker und Landwirte bereits ihre Verluste. Manche Imker haben über den Winter ihre gesamten Bienenpopulationen verloren.

Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Honigproduktion. In der Landwirtschaft, speziell beim Anbau von Obst und Gemüse, sind die Insekten als Helfer unentbehrlich, da sie für die Bestäubung der Pflanzen, von Experten Pollination genannt, zuständig sind. Viele Imker reisen kreuz und quer durch die USA, um ihre Bienenkolonien in der Nähe der riesigen Monokulturen aufzustellen, die die amerikanische Agrarindustrie kennzeichnen. Seien es nun Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Pflaumen, Kirschen, Kürbisse, Johannisbeeren, Gurken oder Melonen - ohne HonigBienen würde der Ernteertrag um 8O bis 90 Prozent zurückgehen. Aber auch Futterpflanzen wie Klee, die für die Zucht von Rindern angebaut werden, fliegen die Bienen gern an. Insgesamt, so schätzen Experten, sind HonigBienen direkt oder indirekt an der Produktion von einem Drittel aller Nahrungsmittel beteiligt. 

In einem vorläufigen Bericht skizzieren die Wissenschaftler der US-amerikanischen Arbeitsgruppe die möglichen Ursachen des Bienensterbens. Denkbar sind demnach ein Parasitenbefall mit Varroa- Milben, der die Widerstandsfähigkeit der Tiere geschwächt haben könnte, eine Vergiftung der Bienen durch die Rückstände von Pestiziden, eine schlechte Versorgung mit Nahrung oder auch eine bislang unbekannte Infektion - im Bericht Bienen- Aids genannt. Nicht auszuschließen sei ein Zusammenhang zwischen dem Sterben der Bienen und der Ausbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen - auch wenn die amerikanischen Wissenschaftler diesen Faktor als eher unbedeutend einstufen. Als weitere potenzielle Ursache für den Exitus der Bienen wird elektromagnetische Strahlung diskutiert, wie sie von Handy-Sendemasten ausgeht. Jedoch sehen die meisten Experten darin bestenfalls einen zusätzlichen Faktor, der das Phänomen CCD mitverursacht haben könnte.

Anders als in den USA haben die deutschen Bienen den Winter gut überstanden: „Wir haben bislang in Deutschland keinen einzigen Fall von Colony Collapse Disorder festgestellt”, sagt Werner von der Ohe. Er ist Vorsitzender des niedersächsischen Landesinstituts für Bienenkunde in Celle und Leiter einer Arbeitsgemeinschaft, der mehr als zwanzig wissenschaftliche Institute für Bienenforschung angehören. Ohe verweist auf eine aktuelle Umfrage unter Imkern: „Die Verluste liegen unter zehn Prozent.” Die Ursache für das Sterben der amerikanischen Bienen sei eine ungünstige Konstellation verschiedener Stressfaktoren, vermutet der Wissenschaftler - darunter auch jene, die im Bericht der US-Forscher genannt werden. Für seine These spricht nicht zuletzt, dass die amerikanischen Bienen mehr Stress aushalten müssen als ihre Artgenossen in Deutschland. Um ihre Pollinationsaufträge zu erfüllen, machen US-Imker mit ihren Bienenstöcken weite Reisen, wobei sie den Tieren strapaziöse Temperaturschwankungen zumuten: »Damit schwächen sie die Widerstandskraft der Tiere", sagt Ohe. Der Berliner Imker Jürgen Hans nennt einen weiteren Stressfaktor, dem amerikanische Bienen ausgesetzt sind: der massive Einsatz von Antibiotika. US-Imker behandeln ihre Tiere regelmäßig mit Medikamenten, um die Bestände vor Krankheiten zu schützen. "Doch sie erreichen damit das Gegenteil, denn die Tiere verlieren ihre natürliche Widerstandskraft." Europäische Bienen seien robuster - die Behandlung mit Antibiotika ist wegen möglicher Rückstände im Honig in der Europäischen Union verboten. Gegen Krankheiten wie Faulbrut, die durch Pilze hervorgerufen wird, gehen deutsche Imker nicht mit Medikamenten vor, sondern mit handwerklichen Methoden,  erläutert Hans. Befallene Bienenvölker werden von den Waben 'abgefegt und drei Tage lang in einem speziellen Kasten aufbewahrt. In dieser Zeit verdauen die Bienen den Inhalt ihres Honigmagens und die darin befindlichen Pilzsporen - sie werden dadurch unschädlich gemacht. „Das Verfahren ist deutlich aufwendiger als eine Behandlung mit Medikamenten, aber für die Bienen ist es schonender”, sagt der Imker. Das bestätigen die US-Forscher. Die CCD- Arbeitsgruppe fand heraus, dass die kollabierten Bienenvölker an Nierenversagen litten. Dieser Befund war zuvor auch bei Bienen erhoben worden, die mit bestimmten Medikamenten behandelt worden waren. Die Forscher raten den Imkern daher, den Gebrauch von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen einzuschränken. Den amerikanischen Landwirten empfiehlt die Forschergruppe, sich schnellstmöglich zu erkundigen, ob die Bienenvölker, die für die Bestäubung ihrer Obst- und Genesepflanzen vorgesehen seien, den Winter überlebt haben. Die Pollination vieler Plantagen sei bedroht, denn Bienen seien Mangelware, sagt die Biologin Frazier. Das Gleiche gilt in den USA demnächst vielleicht auch für Apfel und Erdbeeren.
Oliver Burgard  in "Berliner Zeitung" vom 12.05.2007


Süßer Balsam für Wunden
Ärzte entdecken das alte Hausmittel Honig wieder.

Arne Simon greift oft zum Honigglas. Nicht nur morgens beim Frühstück, sondern auch im Klinikalltag. Dort kommt der Honig allerdings nicht aufs Brötchen, sondern auf die Wunden seiner Patienten. Seit vier Jahren verwenden der Arzt und seine Kollegen von der Bonner Universitäts-Kinderklinik Honig bei der Wundpflege. Medihoney heißt das Naturmittel, mit dem Simon in der klinischen Praxis gute Erfahrungen gesammelt hat. „Selbst chronische Wunden heilen sehr schnell”, sagt der Kinderarzt. Der Honig bewirke, dass totes Gewebe schneller abgestoßen wird. So verheilen Wunden fast ohne Narben.
Auf die Verletzungen seiner Patienten streicht Arne Simon nicht den gewöhnlichen Honig aus dem Supermarkt, sondern ein Spezial-Produkt, das Entzündungen besonders gut hemmt. Der Medihoney von der australischen Firma Capilano mit Sitz in Richlands ist ein Medizinprodukt mit CE- Siegel - ein EU-Qualitätszeichen, das für regelmäßige Kontrollen bürgt. 
Ein wichtiger Bestandteil ist das Zuckergemisch von australischen und neuseeländischen. Bienen, die den Blütensaft von Leptospermum- Teebäumen sammeln. Die Blüten dieser Baumgattung enthalten einen Mix aus phenolhaltigen Substanzen, die den, Wundbakterien das Leben schwer machen. Außerdem ist in dem Heilmittel aus Australien eine Honigsorte enthalten, die viel von dem Enzym Glucose- Oxidase aufweist, das Bienen dem Nektar zusetzen. Glucose- Oxidase bildet laufend aus Wasser und Zucker Wasserstoffperoxid - eine aggressive Substanz, die die Zellwände der Bakterien angreift.
Eigentlich ist Honig ein altbekanntes Heilmittel. Schon vor Jahrtausenden wussten die Ägypter den Bienennektar bei Verletzungen zu nutzen. „Seit den 1950er-Jahren ist er jedoch in Vergessenheit geraten”, berichtet Simon. Zur Abwehr von krankheitserregenden Bakterien bevorzugten die Ärzte die modernen Antibiotika. Simon und seine Kollegen wollen dem Mittel nun zu einer Renaissance verhelfen.
Allerdings gibt es bislang nur wenige objektive Daten, die die Heilkraft des Honigs belegen. Um seine Erfahrungswerte wissenschaftlich abzusichern, plant Arne Simon zusammen mit Kollegen aus Düsseldorf, Homburg und Berlin nun eine Studie. Von September an sammeln sie Daten von mehr als hundert Patienten, deren Wunden mit Honig behandelt wurden. In der Folge sind auch vergleichende Untersuchungen mit anderen Behandlungsmethoden zur Wundheilung geplant.
„Silberverbände wirken zum Beispiel auch antibakteriell, aber sie sind teuer”, sagt Simon.
Eine positive Eigenschaft des Honigs haben australische Wissenschaftler um David Johnson vom Princess Alexandra Hospital in Brisbane bereits nachgewiesen. Im Journal of the American Society of Nephrology berichten sie, dass der klebrige Zuckerbrei den in Krankenhäusern verbreiteten WM-Bakterien den Garaus macht, die gegen viele Antibiotika resistent sind. Diese Bakterienart kann lebensgefährliche Infektionen hervorrufen. In der Regel wird ihr mit dem Antibiotikum Mupirocin vorgebeugt oder begegnet. Wie die Untersuchung zeigte, steht Medihoney dem Antibiotikum in nichts nach und bekämpft die Erreger effektiv. Darüber hinaus entwickelten die Bakterien bei der Honigtherapie im Gegensatz zur Antibiotikabehandlung keine Resistenzen.
Diesen Effekt hat auch Axel Kramer, Leiter des Instituts für Hygiene- und Umweltmedizin der Universität Greifswald, in seinen- Untersuchungen beobachtet. „Im Unterschied zu Antibiotika hemmt Medihoney nicht nur die MRSA- Erreger, sondern tötet sie erfolgreich ab”, sagt Kramer, der zurzeit an einer vergleichenden Studie zu antiseptischen Mitteln bei Wundinfektionen arbeitet. Bei Patienten mit chronischen Wunden oder mit oberflächlichen Brandverletzungen empfiehlt Kramer den medizinischen Honig.
Auch bei Arne Simons Patienten hält er den Einsatz für sinnvoll - krebskranke Kinder, denen bei einer Operation oder durch einen Venenkatheter Wunden zugefügt werden. Für die kleinen Patienten sind Antibiotika resistente Keime besonders riskant. Denn die Krebsmedikamente, die ihnen verabreicht werden, bremsen nicht nur bösartige Zellen, sondern auch die Wundheilung. Oft sei das Immunsystem der Kinder geschwächt, sagt Simon. Gelangen dann Krankheitskeime in die Blutbahn, ist die Gefahr einer Blutvergiftung groß.
Doch auch für andere Erkrankungen soll es bald solide Daten geben. „Medihoney wird bereits bei verschiedenen Hauterkrankungen wie etwa Neurodermits erfolgreich eingesetzt,” sagt der Kinderarzt. Offenbar enthält er auch Substanzen, die gegen Viren helfen. Zumindest bei Lippenherpes gilt erfahrungsgemäß: Honig wirkt heilend. 
Tania Greiner in "Berliner Zeitung" vom 10.08.2006


Wie sich Bienen auf einen Nestplatz einigen
Biologen bescheinigen den Insekten eine hohe Effizienz

HonigBienen tanzen nicht nur, um ihren Artgenossen den Weg zu Futterquellen zu weisen. Auf diese Weise stimmen sie auch über ihren nächsten Nestplatz ab. In der Fachzeitschrift American Scientist berichten Biologen von der Cornell University aus dem US-Bundesstaat New York, dass sich die Bienen meist sehr schnell auf den besten Nestplatz einigen. Damit würden sie Menschen, die in Gremien Entscheidungen treffen, in nichts nachstehen, sagt der Studienleiter Thomas Seeley.
Wenn sich ein Bienenschwarm teilt, brauchen bis zu zehntausend Tiere ein neues Nest. Anstatt gleichzeitig auszuschwärmen, schicken sie einige hundert Kundschafter los, die vor allem nach Baumhöhlen Ausschau halten. Wenn die Insekten einen geeigneten Platz gefunden haben, kehren sie zum Schwarm zurück und führen den Bienentanz auf, um andere Kundschafter zu diesem Ort zu locken. Je überzeugter sie von ihrer Entdeckung sind, umso ausdauernder tanzen sie: Ein großer und damit guter Nestplatz ist ihnen 100 Tänze wert, ein mittelmäßiger im Durchschnitt nur 12. Um die Kundschafter beobachten zu können, mussten Seeley und seine Kollegen alle Bienen der untersuchten Schwärme kennzeichnen.
In den Experimenten, in denen die Forscher dem Schwarm verschiedene Nestplätze unterschiedlicher Qualität anboten, wurde fast immer der beste gewählt. Sobald sich etwa 15 der Kundschafter klar für einen Ort ausgesprochen hatten, bereiteten sich die wartenden Artgenossen auf den Umzug vor. Der ganze Prozess dauerte maximal 16 Stunden.
Die Bienen seien offenbar weder an einem Konsens der Kundschafter noch an einem Kompromiss interessiert, sagt Seeley. Der Biologe legt an, die Methode der Insekten auch im menschlichen Alltag anzuwenden. Er wolle nicht das demokratische Prinzip aushebeln, sagt er. Aber manchmal könne auf diese Weise schneller und besser entschieden werden. 
American Scientist, Bd. 94, S. 220


Bienen erkennen Menschengesichter
HonigBienen können sich die Gesichter von Menschen merken und wiedererkennen, fand der US-Forscher Adrian Dyer an der Universität Mainz heraus. Bisher glaubten Wissenschaftler, daß nur große, komplexe Gehirne diese Leistung vollbringen können, schrieb
Dyer im „Journal of Experimental Biology”. HonigBienen (Apis mellifera) haben weniger als eine Million Nervenzellen im Gehirn, der Mensch verfügt über viele Milliarden. In Versuchen erhielten die Bienen immer dann eine Belohnung, wenn sie zu einem bestimmten Porträt eines Menschen flogen. Dieses Training gelang nicht auf Anhieb: Erst als der Forscher die Insekten mit Zuckerlösung an das Foto lockte, entwickelten die Bienen mit der Zeit ein größeres Interesse für das Porträt. Am Ende eines der langen Forschungstage schließlich habe festgestanden, dass die Insekten dorthin flogen, wo sie eine Zuckerlösung bekamen. Das Erkennungsvermögen der Bienen reichte in weiteren Experimenten weiter: Sie erkannten das richtige Porträt sogar, als es ihnen mit zahlreichen Fotos fremder Menschen gezeigt wurde. (dpa)


Wendig im Flug- aber mit hohem Energieverbrauch

Pasadena - Bienen fliegen anders. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, warum sich die Flügelbewegung dieser Nektarsammler so stark von der aller anderen bisher untersuchten Insekten unterscheidet. Ihr relativ kurzer, aber besonders schneller Flügelschlag hilft den Bienen wohl dabei, große Lasten zu tragen und vielfältige Flugmanöver auszuführen. Dies berichten Forscher vom California Institute of Technology in Pasadena in den PNAS.
Bei anderen Insekten spannt jeder der beiden Flügel zwischen Auf- und Abschlag jeweils einen Winkel von bis zu 160 Grad. Bei Bienen sind es nur 90 Grad. Dafür flattern ihre Flügel viel schneller- rund 240mal in der Sekunde. Mit Videoanalysen ermittelten die Forscher, dass Bienen den zum Fliegen nötigen Auftrieb nicht nur in der Mitte des Flügelschlags produzieren wie andere Insekten sondern auch an den Positionen, an denen sich die Schlagrichtung gerade umkehrt. Vermutlich erlaube dies den Bienen vielseitigere Flugmanöver. Auch könnten sie sich so besser an unterschiedliche Flugbedingungen wie dünne Luft oder höheres Gewicht anpassen, so die Forscher. 

(Aus: "Berliner Morgenpost" vom 30.11.2005)


Imker verzweifelt gesucht
75 Prozent weniger Bienenvölker als 1990

POTSDAM. Es gibt dramatisch zu wenige Imker und damit zu wenige Bienen in Brandenburg. Geschätzt wird, dass 2 300 Imker fast 29 000 Bienenvölker halten - das ist nur noch ein Viertel der Zahlen von 1990. Für eine flächendeckende Bestäubung in der Natur und auf den Feldern wären vier Völker pro Quadratkilometer nötig - Brandenburg kommt nur auf ein Volk. Zudem leidet die Imkerzunft an Überalterung. Dagegen will die Landesregierung nun verstärkt ankämpfen. „Seit 1995 haben 500 Imker aus Altersgründen ihre Imkerei aufgegeben”, sagte Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) am Montag in Potsdam. Nun will das Land mit gezielter Förderung den Rückgang stoppen. Mit Geld der EU soll Nachwuchs verstärkt in Schulen gewonnen werden. Imker sollen bis zu 30 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen. „Wie viel Geld wir zur Verfügung haben werden, steht noch nicht fest, aber bis Jahresende soll es auszahlbar sein”, sagt Gudrun Kretschmer vom Landesamt für Verbraucherschutz.
Weltmeister im Honigessen
Dass die Gesellschaft den Bienenmangel nicht wahrnimmt, liegt daran, dass es genügend Honig in den Läden zu kaufen gibt. Zwar sind die Deutschen Weltmeister im Honigessen, aber 80 Prozent sind Billig-Importe. Oft vergessen wird ein viel wichtigerer Dienst der Bienen: die Bestäubung der meisten Blüten in Natur und Landwirtschaft. Da sind Bienen fast konkurrenzlos - ohne Bienen kaum Obst oder Raps: „Wenn am Rapsfeld kein Bienenwagen steht, ist der Ertrag um ein Drittel niedriger”, sagte Gerhard Strauch vom Landesimkerverband. Trotzdem wird die Imkerei auch von den Bauern nicht ausreichend gefördert. Da Honig im Lande nicht kostendeckend produziert werden kann, gibt es nur noch ein Prozent Berufsimker. Die meisten betreiben die Bienenhaltung als Hobby. „Bisher galt: Hobbys werden nicht gefördert”, sagte er. Für die Imker sei wichtig, dass die Öffentlichkeit umdenke und ihre Leistung für Natur und Landwirtschaft anerkennt. Zu DDR-Zeiten bekamen die Imker feste Bestäubungsprämien, der Staat kaufte ihnen den Honig sogar teurer ab, als er ihn später weiterverkaufte. Dadurch war Imkern lukrativ. „Heute werden Imker dringend gebraucht”, sagte Jens-Uwe Schade, Sprecher des Agrarministeriums. Immerhin besuchten im Vorjahr 664 Schüler mehrstündige Bildungsprogramme einer Bienenschule. Außerdem werden Lehrgänge für Anfänger angeboten. „Mit gezielten Förderungen soll der Einstieg in die Imkerei erleichtert werden”, sagte Schade. Es sei klar, dass die meisten „Berufseinsteiger” wohl älter als 45 Jahre sein werden. "Zwar kann mit der Imkerei keine Familie ernährt werden, aber als Nebenerwerb ist es möglich." Eine staatliche Bestäubungsprämie ist wegen Geldmangels wohl in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. „Aber es gibt Landwirte, die mit Imkern Prämien aushandeln”, sagt Lothar Seipt, Chef des Gartenbauverbandes. „Aber nicht jeder kann sich diese Ausgabe leisten.”

Nutztier Nr. 4

Bestäubung: In Mitteleuropa werden 80 Prozent der Blüten von Insekten bestäubt - meist durch Bienen. Die Bestäubungsleistung für die Landwirte wird auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Damit ist die Biene nach Rind, Schwein und Huhn das viertwichtigste Nutztier.
Verbrauch: Jeder Deutsche isst jährlich durchschnittlich 1,4 Kilo Honig. Zwar halten 80 000 Imker 900 000 Bienenvölker, doch nur 20 Prozent des Bedarfs wird aus Eigenproduktion gedeckt. Der Großteil stammt aus Südamerika, Russland und China.
Ost-West: In Westdeutschland werden durchschnittlich 2,7 Völker pro Quadratkilometer gezählt, im Osten nur ein Volk.
Schaden: Jahrelang dezimierte die Varroa-Milbe zudem die Bienenvölker.
(Jens Blankenagel in "Berliner Zeitung" vom23.08.2005)
 


Zahl der Bienen nimmt rapide ab
Obwohl es lukrativ wäre, halten Imker weniger Völker

HOHEN NEUENDORF. Der Bestand an Bienen in Brandenburg und Berlin ist trotz der derzeit guten Honigpreise weiter zurückgegangen. In Berlin halte ein Imker im Durchschnitt fünf bis sechs, in Brandenburg etwas mehr als neun Völker, sagte der Leiter des in Hohen Neuendorf im Landkreis Oberhavel angesiedelten Länderinstituts für Bienenkunde, Kaspar Bienefeld. Vor Jahren seien es durchschnittlich noch zwischen zwölf und 13 Völker gewesen.
Nach großen Verlusten in den Vorjahren hätten die Imker die Nutzinsekten dieses Mal immerhin gut über den Winter bekommen. Einbußen von fünf  bis zehn Prozent seien normal, sagte Bienefeld. Dagegen hätten die Züchter im Winter 2002/2003 einen herben Rückschlag verkraften müssen, als etwa 30 Prozent der Bienen vor allem durch Milben getötet wurden.
„Allgemein gibt es den Trend, dass Imker immer weniger Bienen halten”, sagte Bienefeld. Der Bestand in der Region sei deshalb an einem Tiefpunkt angelangt. Einstmals seien zur Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen vier bis fünf Völker pro Quadratkilometer unterwegs gewesen; jetzt sei es nur noch ein Volk.

40 Kilogramm Honig pro Volk
Der Institutsleiter sieht den Grund für die rückläufige Entwicklung der Zahl der Bienenvölker weniger in wirtschaftlichen Faktoren. „Der Honigpreis war in den vergangenen Jahren stabil.” So habe sich für die Imker ein Importverbot für Honig aus China positiv ausgewirkt. „In Brandenburg ergibt ein Bienenvolk rund 40 Kilogramm Honig”, berichtete Kaspar Bienefeld. Die im Verband organisierten Imker halten nach seinen Angaben rund 16.000 Völker in der Region Berlin-Brandenburg. Daneben gebe es einige tausend Völker nicht verbandsgebundener Bienenzüchter.
Der Rückgang der Zahl der Bienenvölker habe wegen der geringeren Bestäubung negative Effekte für die Landwirtschaft. Die Ausfälle werden Bienefeld zufolge inzwischen aber teilweise durch Berufsimker aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein ausgeglichen. Sie kämen nach Brandenburg, um die Tiere auf den hiesigen Feldern Nektar sammeln zu lassen. Wegen des geringeren Bestandes lohne es sich dagegen für einheimische Bienenzüchter kaum, auf Wanderschaft zu gehen. (dpa)
(Aus der Berliner Zeitung vom 18.5.2005)


Ein Paradies für Imker
Doch in Brandenburg fehlt es sowohl an Bienenvölkern als auch an deren Haltern

Wie wichtig Bienen sind, wird gern vergessen: ohne sie gibt es keine Landwirtschaft. Ihre Bestäubungsleistung für die deutschen Bauern wird jährlich mit 2,5 Milliarden Euro veranschlagt. Das macht die Biene nach Rind, Schwein und Huhn zum viertwichtigsten Nutztier. Ihre Arbeit können weder Hummeln noch andere Insekten ersetzen. Das wissen die Fachleute. Doch die Imkerei steckt in der Krise, auch in Brandenburg. Die Deutschen sind zwar noch immer Weltmeister im Honigessen, aber dessen Produktion lohnt wegen massenhafter Billigimporte nicht mehr. Ostdeutschland gilt - was die Bienendichte betrifft - als Armenhaus Europas. „Vor 1989 gab es 75 Prozent mehr Bienenvölker”, sagt Kaspar Bienefeld, Chef des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf. Die Zahl der Imker sank nicht ganz so rapide, da einige der Imkerei noch als Hobby frönen. Aber die 2 300,Imker halten nur ein Volk pro Quadratkilometer, in Westdeutschland sind es immerhin noch drei Mal so viele Völker.

Nun gehen die Insektenfreunde in die Offensive. Bienefeld, der Mann mit dem passenden Namen, hat ein Buch herausgegeben, um Nachwuchs für die gesellschaftlich durchaus überlebenswichtige Aufgabe zu gewinnen. Sogar Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) reiste am Donnerstag nach Hohen Neuendorf, um bei der Präsentation des Buches „Imkern Schritt für Schritt” zu werben. „Brandenburg ist ein Paradies für Imker sagte der Minister. Optimistisch fügte er hinzu, dass die Chancen gut stehen, sich als Imker im Land selbständig zu machen oder dazuzuverdienen. Er nennt die Arbeit der Imker aber auch »unbezahlt und unbezahlbar”. In der Realität sind nur noch ein Prozent der Imker Profis, die anderen produzieren Honig als Hobby. Ein weiteres Problem: Im Winter 2002/2003 wüteten Varroa-Milben in den Bienenstöcken - die aus Asien stammenden Schädlinge vernichteten ein Drittel der Bienen. Diesmal werden nur fünf bis zehn Prozent Winter-Verluste erwartet. Das Interesse an der neuen Bienenfibel ist immerhin groß: Schon jetzt ist die Hälfte der 3 000er-Auflage vorbestellt. „Wir haben die Kapitel von Schülern und anderen Laien lesen lassen”, erzählt Bienefeld. Dadurch entstand ein kurzes und leicht verständliches Einführungsbuch nicht nur für werdende Imker, sondern auch für Naturfreunde.
Das Buch: Kaspar Bienefeld (Hrsg.): Imkern Schritt für Schritt. 96 Seiten, 14,95 €. ISBN: 3-440-09751.


(Jens Blankennagel in der Berliner Zeitung vom 18.3.2005)


Bienefeld, der Bienenretter

HOHEN NEUENDORF.
Wenn sie aus ihren Brutzellen schlüpfen, sind sie oft verkrüppelt, geschwächt und überleben meist nicht sehr lange. Die JungBienen -und damit die Zukunft der Imkerei und auch der Landwirtschaft - sind nicht nur in Brandenburg bedroht. Denn es gibt gerade in Ostdeutschland nicht nur immer weniger Bienenvölker, sondern auch einen ernst zu nehmenden Feind der HonigBienen: die Varrao- Milben. Zwar schädigen diese aus Asien stammenden Schädlinge bereits seit den 70er-Jahren auch in den heimischen Bienenstöcken die Bienenbrut. Doch inzwischen sind sie flächendeckend verbreitet und lassen ganze Völker sterben. Die Zahlen sind dramatisch. „Von den 900 000 Bienenvölkern in Deutschland überlebten 300 000 den Winter 2002/2003 nicht”, sagt Alexander Müller, Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernähung und Landwirtschaft.

Arbeiterinnen riechen Befall

Nun soll ein zweijähriges Forschungsprogramm des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf (Oberhavel) die Rettung bringen. Dort sollen vor allem Tiere für die Züchtung gefunden werden, die die Milben selbst bekämpfen können. Dazu überbrachte Staatssekretär Müller dem Institut einen Bewilligungsbescheid über 253 000 Euro für das Programm. „Die Biene ist ein kostenloser und sehr wichtiger natürlicher Helfer in der Landwirtschaft”, sagt er. Deshalb müssen die Landwirte auch so arbeiten, dass die Biene überlebt - mit möglichst wenig Chemie. „Das Institut sucht einen Weg zur chemiefreien, natürlichen Bekämpfung der Milbe", sagt Müller. Bisher wurde versucht, den Schädling durch Tiermedikamente zu bekämpfen: Doch manche Arznei musste in so hohen Dosierungen eingesetzt werden, dass auch Bienen geschädigt wurden. Oder die Milben wurden bei mehrmaligem Einsatz gegen das Mittel resistent und die Chemikalie lagerte sich auch noch im Bienenwachs ab. „Wir wollen aber, dass Honig ein reines Naturprodukt bleibt”, sagt Müller.„Die asiatische Biene lebt mit der Milbe und kann sie selbst bekämpfen”, sagt Institutsleiter Kaspar Bienefeld. Die einheimische Biene kann dies jedoch nicht. Trotzdem sollen keine asiatischen Tiere importiert werden. Zum einen können sie nicht mit den heimischen Bienen gekreuzt werden, zum anderen würden sie im hiesigen Klima nicht überleben. „Wir suchen nun für die Zucht nach einheimischen Bienen, die die Milben selbst bekämpfen”, sagt Bienefeld. Per Videoüberwachung wurde festgestellt, dass von 2 000 Tieren nur zehn bis 15 Bienen dazu in der Lage sind. Diese wenigen Arbeiterinnen würden durch die verschlossene Brutzelle riechen, ob diese von den Milben befallen sei, erklärt der Institutschef. Wenn das der Fall ist, öffnen sie den Deckel und schaffen die befallene Brut hinaus. „Die Milben können sich nur in den Zellen fortpflanzen”, sagt Bienefeld. Wenn nicht gegen die Schädlinge vorgegangen werde, sei ein von ihnen befallenes Bienenvolk innerhalb von zwei Jahren ausgestorben. In Brandenburg gibt es derzeit etwa 2 400 Imker mit etwa 30 000 Bienenvölkern. Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) sagt: „Die Imkerei hat in Brandenburgs großen Heide- und Moorlandschaften eine jahrhundertelange Tradition und ist nach wie vor von großer ökologischer und wirtschaftlicher Bedeutung.” Sie liefert einerseits das gesunde Naturprodukt Honig, doch noch wichtiger sei eine möglichst weit verbreitete Bienenhaltung für die Bestäubung der Kultur- und Naturpflanzen. „Es ist ganz einfach”, sagt Birthler, „ohne Bienen keine Landwirtschaft.”

Prämien zu DDR- Zeiten

Für Institutsleiter Bienefeld ist es wichtig, dass die Brandenburger die Biene wieder mehr respektieren und nicht - wie so oft - vor Gericht ziehen, wenn in der Nähe ihrer Häuser oder Gärten ein Bienenwagen aufgestellt wird und sie sich belästigt fühlen. „Die Bienen hier sind doch sehr sanftmütig”, sagt Bienefeld, der selbst höchstens fünfmal im Jahr gestochen wird. Wichtig sei auch, dass Imker wieder stärker finanziell unterstützt würden und sich ihre Arbeit wieder lohne. Zu DDR-Zeiten gab es viel mehr Bienenzüchter, weil sie mit festen Bestäubungsprämien rechnen konnten. „Solche Prämien wird es wieder gehen müssen”, sagt der Institutsleiter. „Denn den Honig könnten wir zur Not auch importieren, aber die Bestäubungsleistung der Bienen nicht.” Ein weiteres Problem ist, dass die Bienen mancherorts „hungern”, weil es durch die monokulturelle Landwirtschaft nicht mehr den gesamten Frühling und Sommer blüht. Nun wird geplant, dass stillgelegte Flächen in der Landwirtschaft wenigsten für die Bienen von Nutzen sind: als Bienen-Weiden.
(Jens Blankennagel in "Berliner Zeitung" vom 09.08.2004)


Kein Honigschlecken

Honig aus deutschen Bienenstöcken könnte demnächst zur Rarität werden. Denn bundesweit sind immer weniger der gestreiften Insekten mit seiner Produktion beschäftigt. Im Vergleich zum letzten Jahr hat Deutschland ein knappes Drittel seiner etwa 900 000 Bienenvölker verloren. Was genau diesen massiven Rückgang ausgelöst hat, wissen selbst Experten nicht mit Sicherheit. Das Spektrum möglicher Ursachen ist breit: Krankheiten, die ungünstige Witterung oder eine zu intensiv betriebene Landwirtschaft könnten das Bienensterben ausgelöst haben. Auf immer intensiver genutzten Wiesen und Feldern fänden die Bienen immer weniger Nahrung, argumentiert etwa der Imker Günter Friedmann vom Bundesverband Ökologische Lebensmittelwirtschaft in Berlin. Denn Kornblumen und andere Wildkräuter sind von modernen Äckern weitgehend verschwunden. Sobald Raps und Obstbäume verblüht sind, gibt es daher für die Insekten nur noch ein dürftiges Pollen- und Nektarangebot.
"Mancherorts herrscht für die Bienen im Sommer durchaus Nahrungsmangel", bestätigt Kaspar Bienefeld, der Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf bei Berlin. Trotzdem glaubt er nicht, dass die Landwirtschaft bei dem derzeitigen Bestandsrückgang eine große Rolle spielt. Schließlich gebe es die Intensivlandwirtschaft mit all ihren Problemen schon seit Jahren. Warum also sollten ausgerechnet jetzt aus diesem Grund die Bienen verschwinden?
Für viel wahrscheinlicher hält Bienefeld, dass die berüchtigte Varroamilbe im vergangenen Jahr ein besonders leichtes Spiel hatte. Der millimetergroße Parasit wurde Ende der siebziger Jahre aus Asien eingeschleppt und gilt seither in Europa als Bienenfeind Nummer eins. Im ungewöhnlich milden Frühjahr 2002 begannen die Bienen sehr früh mit ihrer Brut - obwohl das Nahrungsangebot so zeitig im Jahr noch gering ist. Die Milben hingegen hatten dadurch eine lange Saison vor sich, in der sie sich gut vermehren konnten. Der Parasit schwächte viele Völker offenbar so sehr, dass sie den Winter nicht überlebten.
Varroamilben entwickeln sich bereits auf den Bienenlarven. Befallene JungBienen sind durch Keime, die von den Milben übertragen werden, oft verkrüppelt, so dass sie ihre Aufgaben im Stock später kaum wahrnehmen können. Zudem zapfen die Milbenweibchen den Bienenpuppen Blut ab. Aus solchen Puppen entwickeln sich Bienen, die schwach und daher anfällig für Krankheiten sind. Leichtes Spiel hat dann zum Beispiel das Kaschmir-Virus, das sich seit kurzem in, Deutschland verbreitet. Von ihm befallene Bienen haben unter anderem einen gestörten Orientierungssinn. "Solche Sekundärinfektionen spielen eine immer größere Rolle", sagt Bienefeld.
Bisher gibt es keine ideale Waffe gegen die Varroamilbe. Zwar sind in Deutschland mit Bayvarol und Perizin zwei chemische Mittel zugelassen, die in den Stoffwechsel des Parasiten eingreifen und dessen Atmung stören. Doch die chemische Bekämpfung der Milben ist teuer und hinterlässt zudem Rückstände im Wachs. Hinzu kommt, dass gegen das Präparat Bayvarol inzwischen so gut wie jede Milbe in Deutschland resistent ist. Wissenschaftler suchen daher nach neuen Wegen, um der Plage Herr zu werden.
Erste Erfolge liefert zurzeit eine wiederholte Behandlung der Bienenstöcke mit Ameisensäure – eine Substanz die von Natur aus in geringen Konzentrationen auch im Honig enthalten ist. Praktischer für die Imker wäre es, wenn die Bienen ihre achtbeinigen Feinde selbst bekämpfen könnten. Westliche HonigBienen, die einzige in Deutschland gehaltene Bienenart, sind dem Eindringling meist wehrlos ausgeliefert. Anders als ihre asiatischen Verwandten, die ursprünglichen Wirte des Parasiten: Sie erkennen befallene Brutzellen - woran, weiß man bisher nicht - und zerren die infizierten Larven mitsamt den Milben heraus. So verhindern sie, dass die Milben sich in den Larven weiter vermehren und auch das übrige Bienenvolk infizieren.
Bienefeld und seine Kollegen haben ein ähnliches Verhalten auch bei Westlichen HonigBienen beobachtet - allerdings nur bei wenigen Individuen in einzelnen Völkern. Die Forscher sind nun dabei, diese wehrhaften Bienen in aufwändigen Experimenten zu züchten. "Wir haben zwar noch kein wirklich resistentes Volk", sagt Bienefeld., doch die LaborBienen räumen befallene Waben inzwischen deutlich häufiger aus als wilde Artgenossen . In einigen Jahren, so hofft Bienefeld, werde man die wehrhaften Völker an Imker abgeben können.
Doch ob solche Maßnahmen wirklich gegen das Bienensterben helfen, ist unklar. Denn der nächste Fein steht schon vor der Tür. „Der aus Südafrika stammende Bienenbeutenkäfer könnte noch größere Schäden anrichten als die Varroamilben“, sagt Bienenexperte Benedikt Polaczek von der Freien Universität Berlin. Die Käferlarven fressen Honig, Wachs und Pollen. Ihre Speichelfermente und ihr Kot lassen den Honig gären, der schließlich faulig riechend aus den zerstörten Waben läuft.
In den USA hat sich der eingeschleppte Käfer rasant ausgebreitet, auch in Ägypten und Australien ist er im vergangenen Jahr erstmals aufgetaucht. Der Weg nach Europa soll ihm jetzt allerdings versperrt werden. Die EU hat hierzu Importbeschränkungen für Bienenvölker erlassen, die ab dem kommenden September greifen sollen. "Wenn der Bienenbeutenkäfer nach Europa einschleppt werden sollte, könnte das für die hiesigen Imker das Aus bedeuten", warnt Bienefeld.
Denn die Bienenhaltung ist hier zu Lande ohnehin schon auf dem Rückzug. Mit Honigproduktion ist heutzutage kaum noch ein Geschäft zumachen. Seit die zu DDR- Zeiten üblichen Bestäubungsprämien für Bienenhalter weggefallen sind, hat vor allem in den östlichen Bundesländern die Zahl der Bienenvölker stark abgenommen. Statt der früher üblichen vier Völker pro Quadratkilometer fliegt dort heute nur noch ein Volk über die gleiche Fläche.
Das aber könnte fatale Folgen haben. Denn kein anderes Insekt ist für die Bestäubung der Pflanzen so wichtig wie die Honigbiene. Hummeln und WildBienen können in der Hinsicht bei weitem nicht mithalten. Denn wenn im Frühjahr Raps und Obstbäume blühen, sind diese einzeln überwinternden Insekten gerade erst dabei, einen neuen Bestand aufzubauen. "In einem durchschnittlichen HonigBienenvolk leben zu dieser Zeit schon etwa zehntausend Sammlerinnen«, sagt Polaczek.
Wenn es nicht mehr genügend HonigBienen gibt, drohen daher empfindliche Ertragseinbußen - beim Raps rechnen Experten mit mindestens dreißig Prozent. Was der Bienenschwund für die Wildpflanzen bedeuten könnte, lässt sich noch gar nicht abschätzen. Honig können wir importieren", sagt Polaczek, "die Bestäubungsarbeit der Bienen aber nicht.

(Kerstin Viering in "Berliner Zeitung" vom 22.08.2003)